Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Die Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) gehört zu den häufigsten Erkrankungen der Schilddrüse (siehe auch Schilddrüsenunterfunktion) und bedarf in vielen Fällen einer medikamentösen Behandlung. Die weit verbreitete Erkrankung wird durch eine Überversorgung des Körpers durch die im Organ produzierten Hormone hervorgerufen.

Die Schilddrüse befindet sich im Kehlkopf und hat die Aufgabe durch die Nahrung aufgenommenes Eiweiß und Jod in die lebenswichtigen Hormone Thyroxin und Trijodthyronin umzuwandeln.

Diese Hormone sind nicht nur für einen geregelten Stoffwechsel verantwortlich, sondern haben auch einen direkten Einfluss auf Herz und Kreislauf.

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion werden in unkontrolliertem Maße Hormone produziert, die der Körper nicht mehr verarbeiten kann. Der Stoffwechsel läuft praktisch auf Hochtouren und sorgt für zahlreiche Beschwerden, wie Unruhe, Schlafstörungen oder einen erhöhten Puls.

Als häufigste Ursachen für das Auftreten einer Schilddrüsenüberfunktion sind die Autoimmunkrankheit Morbus Basedow sowie eine Autonomie der Schilddrüse, die besonders in unseren regionalen Jodmangelgebieten sehr häufig in Erscheinung tritt.

 

Schilddrüsenüberfunktion – auf welche Symptome achten?

 

Die Anzeichen für eine Schilddrüsenüberfunktion können altersbedingt ganz unterschiedlich auftreten. Während sich manche Symptome erst langsam entwickeln, kann es häufig auch zu abrupten Beschwerdebildern kommen, die in Intervallen immer wieder das körperliche Wohlbefinden stören.

Die Beschwerden können sich im individuellen Fall auf unterschiedliche Art und Weise äußern und treten, je nach Lebensalter und Geschlecht in verschiedenen Formen auf. Durch die erhöhte Hormonkonzentration erhöht sich der Stoffwechsel, der Herz und Kreislauf belastet.

 

Die häufigsten Anzeichen einer Schilddrüsenüberfunktion:

 

  • Schlafstörungen
  • Haarausfall
  • Gewichtsverlust trotz gesteigerter Nahrungsaufnahme
  • Zittern der Hände
  • Unruhe und Nervosität
  • bei weiblichen Betroffenen können Störungen im Zyklus auftreten
  • Muskelschmerzen oder Muskelschwäche
  • plötzliches Schwitzen
  • Konzentrationsschwäche
  • Hitzewallungen
  • Vergrößerung der Schilddrüse (Bildung eines sogenannten Kropfs oder Strumas)
  • erhöhte Körpertemperatur
  • Erbrechen und Durchfall
  • Wärmeempfindlichkeit
  • erhöhter Puls
  • Augenerkrankungen

 





 

Schilddrüsenüberfunktion bei Kindern

 

Eine Schilddrüsenüberfunktion beim Kind kann angeboren sein, oder sich während der ersten Lebensjahre entwickeln. Die Überfunktion der Schilddrüse äußert sich bei Kindern, je nach Alter, in unterschiedlicher Weise.

Während bei kleineren Kindern Störungen im Wachstum, bei der Zahnbildung sowie häufig auftretende Wutanfälle zu verzeichnen sind, leiden Jugendliche vorwiegend unter starken Stimmungsschwankungen, Gewichtsverlust oder Schmerzen des Bewegungsapparates während Wachstumsschüben.

 

Schilddrüsenüberfunktion während der Schwangerschaft

 

Die Schwangerschaft fordert der weiblichen Schilddrüse einiges ab. Ein erhöhter Hormonbedarf sowie die gesteigerte Funktion des Organs kann während oder kurz nach der Schwangerschaft zu Störungen führen, die nicht nur für die werdende Mutter, sondern auch für das ungeborene Kind schwerwiegende Folgen haben können.

Eine unbehandelte Schilddrüsenüberfunktion in der Schwangerschaft kann die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes im Mutterleib sowie in den ersten Lebensjahren nach der Geburt stören.

Eine eindeutige Diagnose ist selbst für den behandelnden Arzt nur durch Überprüfung der Schilddrüsenwerte möglich, da Symptome einer überaktiven Schilddrüse, wie Müdigkeit, Schlafstörungen oder Nervosität, auch bei nicht erkrankten Schwangeren zum Alltag gehören.

Anatomie der Schilddrüse

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Behandlungsmethoden bei einer Schilddrüsenüberfunktion

 

Die Behandlung bei einer diagnostizierten Schilddrüsenüberfunktion ist, je nach Schweregrad und Ursache der Erkrankung, unterschiedlich und sollte nur durch einen Facharzt durchgeführt werden.

Machen sich immer häufiger Anzeichen einer gestörten Schilddrüsenfunktion bemerkbar, sollte man sich umgehend an den Haus- oder Facharzt wenden, der zunächst durch die Blutabnahme die Schilddrüsenwerte ermittelt und gegebenenfalls einen Test zur Schilddrüsenüberfunktion durchführt.

Mit speziellen Antikörper Tests sowie einer Ultraschalluntersuchung lässt sich die Ursache der Schilddrüsenüberfunktion feststellen sowie mögliche vorhandene Knoten lokalisieren.

 

Medikamentöse Behandlung

 

In den meisten Fällen kann die Erkrankung mit Thyreostatika, den sogenannten “Schilddrüsenblockern” erfolgreich behandelt werden. Patienten, die unter Morbus Basedow leiden, können bereits nach einiger Zeit der Einnahme der Tablette zur Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion über eine Linderung der Beschwerden oder einer vollständigen Heilung berichten.

Wurde bei der Diagnose jedoch eine Autonomie als Ursache der Überfunktion festgestellt, ist die Behandlung in Tablettenform nicht sinnvoll, da sich das Krankheitsbild nach Absetzen der Medikamente wieder verschlechtert und eine komplette Heilung nicht möglich ist. In diesen Fällen rät der Facharzt meist zu einem operativen Eingriff.
 




 

Behandlung mit radioaktivem Jod

 

Die Radiojodtherapie kommt dann zum Einsatz, wenn eine vorhergehende medikamentöse Behandlung mit Thyreostatika nicht erfolgreich durchgeführt werden konnte, oder aufgrund einer Autonomie nicht sinnvoll erscheint. Bei dieser Behandlungsmethode wird dem Patienten auf einer isolierten Station radioaktives Jod mittels einer Injektion in die Vene oder oral in Tablettenform verabreicht.

Das überschüssige Schilddrüsengewebe, das für die Überfunktion verantwortlich ist, nimmt das Jod zu größten Teil auf, während die radioaktiven Strahlen die betroffenen Gewebezellen zerstören. Auf diese Weise kann eine normale Schilddrüsenfunktion wiederhergestellt werden.

 

Behandlung durch einen operativen Eingriff

 

Eine Operation zur Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion wird bei einem schweren Krankheitsverlauf durchgeführt, bei dem die Einnahme von Medikamenten oder radioaktivem Jod erfolglos blieb.

 

Welche Folgen können durch eine unbehandelte Schilddrüsenüberfunktion entstehen?

 

Eine Schilddrüsenüberfunktion, die über einen längeren Zeitraum nicht erkannt und behandelt wird, kann schwerwiegende gesundheitliche Störungen verursachen und unter Umständen lebensbedrohlich sein.

Der erhöhte Stoffwechsel verlangt dem Körper viel Energie ab, schwächt auf Dauer das Herz und kann Folgeerkrankungen der Nebenniere sowie Osteoporose verursachen. In akutem Stadium kann eine thyreotoxische Krise auftreten, die im schlimmsten Fall zum Tod führen kann.

 

Auf welche Ernährung sollte man bei einer Schilddrüsenüberfunktion achten?

 

Eine ausgewogene Ernährung mit jodhaltigen Lebensmitteln spielt bei Patienten, die unter einer Schilddrüsenüberfunktion leiden, eine wichtige Rolle. Erwachsene und Jugendliche benötigen täglich ca. 200 Mikrogramm Jod, um einen geregelten Stoffwechsel in Gang zu halten. Schwangere und stillende Mütter haben einen höheren Jod-Bedarf und müssen in einigen Fällen zusätzlich natürliche Jod-Präparate einnehmen.

Eine Überfunktion kann durch einen dauerhaften Jodmangel entstehen und bedarf häufig einer entsprechenden Behandlung. Umso wichtiger ist es auf eine jodhaltige Ernährung zu achten. Das Würzen mit Jod-Salz reicht jedoch nicht aus und muss durch den Verzehr anderer jodhaltiger Nahrungsmittel, wie Seefisch, Meeresfrüchte oder Milchprodukte unterstützt werden.

 

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