Schilddrüsenkrebs

Ein großer Teil der Bevölkerung leidet unter einer Schilddrüsenerkrankung. Der Schilddrüsenkrebs kommt jedoch recht selten vor und wird in vielen Fällen nur zufällig entdeckt. Untersuchungen zufolge erkranken pro Jahr rund 7.000 Menschen an Schilddrüsenkrebs, während jährlich ca. 72 000 Frauen alleine von einer Brustkrebs-Erkrankung betroffen sind.

 

Was ist Schilddrüsenkrebs?

 

Die tückische Erkrankung verläuft im Anfangsstadium meist beschwerdefrei und macht erst auf sich aufmerksam, wenn sich der Tumor bereits in andere Bereiche des Körpers ausgebreitet hat. Das lebensbedrohliche Karzinom tritt bei Betroffenen vorwiegend in vier unterschiedlichen Typen auf, die mit Hilfe der entsprechenden Therapiemaßnahmen teilweise über gute Heilungschancen verfügen.

Der Schilddrüsenkrebs tritt häufig bei Frauen auf und bedarf nach den ersten Verdachtsmomenten nicht nur einer umfassenden Ultraschalluntersuchung, sondern auch einer Feinnadelbiopsie, bei der eine Probe des Schilddrüsenkarzinoms entnommen und anschließend mikroskopisch untersucht wird. Schilddrüsenkrebes kann in jedem Bereich der Schilddrüse auftreten.

Die jeweilige Gewebeart sowie der Ort an dem sich das Karzinom angesiedelt hat, geben dem zuständigen untersuchenden Pathologen Auskunft über die Form des Karzinoms und ist ein wichtiger Baustein für die weitere Therapie des Tumors.

 

Welche Typen von Schilddrüsenkrebs werden am häufigsten diagnostiziert?

 

Papilläres Schilddrüsenkarzinom

 

Die häufigste Form des Schilddrüsenkarzinoms, der in ca. 60 % aller auftretenden Fälle besonders bei Frauen diagnostiziert wird. Bei diesem Typus breiten sich die Krebszellen meist über eine lymphogene Metastasierung aus und befallen in vielen Fällen auch die naheliegenden Lymphknoten am Hals.
 





 

Follikuläres Schilddrüsenkarzinom

 

Als zweithäufigste Form des Schilddrüsenkarzinoms wird dieser Typus in ca. 30 % aller Fälle festgestellt. Die gefährlichen Metastasen breiten sich bei dieser Form des Schilddrüsenkrebses vorwiegend über den Blutkreislauf in der Lunge oder im Gehirn aus.

 

Medulläres Schilddrüsenkarzinom

 

Eine seltenere Form des Schilddrüsenkrebses, der nur in ca. 5 % aller Fälle diagnostiziert wird. Die Erkrankung tritt vorwiegend im Gewebe der C-Zellen auf, die für die Produktion des Calcitonins verantwortlich sind und somit für eine stabile Regulation des Phosphat- und Calciumhaushalts im Körper sorgen. Durch die Bildung des Karzinoms veringert sich der Calciumgehalt im Blut.

 

Anaplastisches Schilddrüsenkarzinom

 

Mit 1 % der Betroffenen der seltenste und gefährlichste Typ des Schilddrüsenkrebses. Die Erkrankung schreitet sehr schnell voran und ist kaum heilbar.

 

Welche Ursachen liegen der Bildung eines Schilddrüsenkarzinoms zugrunde?

 

In der Ursachenforschung zur Entstehung des Schilddrüsenkrebses tappt man weiterhin etwas im Dunkeln. Eindeutige Erklärungen für die Erkrankung sind auch bis heute in medizinischen Kreisen nicht zu finden.

Während andere bekannte Schilddrüsenerkrankungen meist auf einem akuten Jodmangel oder eine angeborenen Fehlfunktion der Schilddrüse beruhen, gehen Wissenschaftler bei der Entstehung des papillären und follikulären Schilddrüsenkarzinoms von einem entscheidenden Auslöser durch radioaktive Strahlung aus.

Das modulläre Schilddrüsenkarzinom ist in seiner Entstehung vorwiegend auf einen Gendefekt des 11. Chromosoms zurückzuführen, der häufig für die Bildung dieser Form des Schilddrüsenkrebses verantwortlich ist.

In solchen Fällen werden betroffenen Patienten bereits im Kindesalter als Vorbeugemaßnahme die Schilddrüse komplett entfernt. Über die Ursachen zur Entstehung des anaplastischen Schilddrüsenkarzinoms gibt es bis heute noch keine Erkenntnisse.

 

Auf welche Symptome sollte man bei der Entstehung von Schilddrüsenkrebs unbedingt achten?

 

Der Schilddrüsenkrebs macht sich gerade im Anfangsstadium kaum bemerkbar und wird häufig erst durch zufällig durchgeführte Routineuntersuchungen entdeckt. Die Anzeichen für eine Schilddrüsenkrebs-Erkrankung halten sich aus diesem Grund eher im Hintergrund und sind kaum spürbar.

Ein vorhandener Tumor kann erst ab einem Durchmesser von 1,5 cm mit den Fingern ertastet werden und ist im äußeren Bereich kaum sichtbar. Die ersten akuten Symptome treten häufig erst dann auf, wenn der Krebs bereits auf die umliegenden Organe, wie die Speiseröhre, die Lymphknoten oder die Luftröhre übergegriffen hat.

 

Alarmierende Schilddrüsenkrebs-Symptome:

  • Dauerhafte Heiserkeit: entsteht durch die Schädigung der Nervenbahnen des Kehlkopfs durch den Schilddrüsentumor
  • Horner-Syndrom: der Tumor beschädigt die Nervenbahnen die sich im Bereich rund um das Auge befinden. Dabei verengt sich die Pupille, der betreffende Augapfel sinkt ein und das Augenlid lässt sich nicht mehr komplett nach oben öffnen.
  • Beschwerden beim Atmen: der Tumor drückt auf die Luftröhre und verursacht erhebliche Atembeschwerden.
  • Beschwerden beim Schlucken: das Schilddrüsenkarzinom engt die Speiseröhre ein und erschwert somit das Essen und Trinken

 




 

Prognose und Behandlung bei Schilddrüsenkrebs

 

Treten die ersten akuten Anzeichen von Schilddrüsenkrebs auf, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, der zunächst mit einem eingehenden Bluttest sowie einer anschließenden Ultraschalluntersuchung feststellt, ob gut- oder bösartige Knoten im Gewebe der Schilddrüse vorhanden sind.

Erkennt der Mediziner eine Auffälligkeit der vorhandenen Knoten erfolgt eine Szintigraphie, bei der dem Patienten eine radioaktive Substanz in die Vene gespritzt wird um eine mögliche Bildung bösartiger Tumore genauer lokalisieren und analysieren zu können. In einigen Fällen entscheidet sich der Arzt für eine Gewebeentnahme des betreffenden Knotens um zu einem präziseren Diagnoseergebnis zu gelangen.

Die Behandlung von Schilddrüsenkrebs ist je nach Typ und Krankheitsstadium unterschiedlich. In den meisten Fällen wird zunächst die Schilddrüse durch einen operativen Eingriff komplett entfernt. Bei kleineren Tumoren ist oftmals auch eine teilweise Entfernung des betroffenen Schilddrüsenlappens ausreichend.

Beschränkt sich der Tumor nur auf die Schilddrüse und hat noch keine Metastasen an die umliegenden Organe gestreut, erfolgt nach ca. zwei Wochen eine postoperative Radiojodtherapie die das vorhandene Schilddrüsengewebe vollkommen zerstören soll um weiteren Erkrankungen und Tumorbildung vorzubeugen.

Bei Schilddrüsenkrebserkrankungen im fortgeschrittenen Stadium sowie einer Metastasenstreuung bleibt meist nur die Einleitung einer Chemo- oder Strahlentherapie, um das weitere Fortschreiten der lebensbedrohlichen Tumorbildung zu verringern oder komplett zu stoppen.

Das anaplastische Schilddrüsenkarzinom ist aufgrund seiner schlechten Heilungschancen selten mit einer operativen Entfernung der Schilddrüse verbunden. Der in vielen Fällen unheilbare Schilddrüsenkrebs wird vorwiegend mit einer äußerlichen Bestrahlung behandelt, die das weitere Wachstum des Tumors verhindern und akute Beschwerden lindern soll.

 

Lebenserwartung und Heilungschancen bei Schilddrüsenkrebs

 

Patienten, die unter einem papillären Schilddrüsenkarzinom leiden, verfügen im Vergleich zu Betroffenen anderer Karzinom-Typen über gute Heilungsaussichten.

Für ca. 80 % der Betroffenen ist diese Form des Schilddrüsenkarzinoms heilbar, während der follikuläre sowie medulläre Schilddrüsenkrebs bei einer etwas schlechtere Prognose von ca. 50 – 70 % liegt. Der anaplastische Schilddrüsenkrebs ist nach heutigen medizinischen Erkenntnissen leider nur in den seltensten Fällen heilbar.

 

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